Ich habe heute einen Podcast zum Thema „Grenzen setzen“ gehört und hatte dabei wie einen wichtigen Klick-Moment. Das Thema Grenzen setzen, ein Nein ist immer auch ein Ja oder mach dich selber zur Priorität sind alles keine neue Themen für mich. Trotzdem war mir bisher tatsächlich nicht der Zusammenhang bewusst zwischen:
- Meinem Bedürfnis anderen zu gefallen – basierend auf alten Glaubenssätzen und
- Selbstliebe – was man aktiv praktiziert, indem man Grenzen setzt.
Aber fangen wir mal kurz von vorne an 🙂
Was ist ein People Pleaser?
Sehr lange Zeit habe ich fest daran geglaubt, dass mein Streben nach Harmonie in meinem Umfeld zu meinen Stärken gehört. Mir war es immer wichtig, dass es allen gut geht, dass eine gute Stimmung herrscht, dass man mich mag, weil ich genau auf diese Harmonie großen Wert lege. Und dafür immer bereit war auch viel zu geben. Sehr viel. Ohne etwas zurückzuverlangen. Denn ich war der festen Überzeugung, dass „Wie du mir, so ich dir“ nicht nur eins meiner wichtigsten Prinzipen war. Diese Grundhaltung zeichnet einen People Pleaser aus.
people pleaser
noun, /ˈpiː.pəl ˌpliː.zər/
someone who cares a lot about whether other people like them, and always wants others to approve of their actions„I was a people pleaser and listened to everyone else’s problems, but I didn’t talk.“
dictionary.cambridge.org
Erfolgsfaktor Bedürfnisse erkennen
Heute habe ich erkannt, dass ich aufgrund meiner hervorragenden People Pleaser Fähigkeiten – also jemand, der anderen unbedingt gefallen möchte – mich selber und meine Bedürfnisse so weit hinten an gestellt habe, dass ich mich verloren hab. Ich habe meine eigenen Grenzen deutlich überschritten, mit dem Preis, dass ich defacto gar nicht mehr spüren geschweige denn ausdrücken konnte, was meine Bedürfnisse überhaupt sind.
Es schmerzt noch immer, wenn ich heute daran zurückdenke, wie oft ich meine eigenen Grenzen überschritten habe. Eine ganz Zeit lang sogar rational gesehen aus Unwissenheit – schließlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier und irgendwie wurde das zu einem Normalzustand.
Die Kraft des Neins
Heute habe ich dieses Gespür für meine eigenen Bedürfnisse wieder erlangt. Von daher happy End ahead! Der Weg vom People Pleaser zum Grenzgänger war allerdings gar nicht so einfach 😀 Es war wirklich hart, vor allem weil mein People Pleaser-Ich immer dazwischenfunkte und mich fragte: „Was erwarten die anderen von mir?“, „Werde ich immer noch gemocht?“ oder „Wird meine Entscheidung wirklich akzeptiert?“.
„Wenn Du zu anderen Ja sagst, dann stell sicher, dass du nicht zu dir Selbst NEIN sagst“
Paolo Coelho
Anders gesagt: Ein Nein zu anderen ist immer ein Ja zu dir selbst! Durch Achtsamkeit, Reflektion und vor allen Dingen Selbstliebe und eine große Portion Geduld spürte ich wieder meine eigenen Wünsche, hörte meine eigene innere Stimme wieder lauter. Ich konnte einfache Fragen viel besser, denn vor allem ehrlicher, mit „Ja, das will ich.“ oder „Nein, das will ich nicht“ beantworten.
Beispiel: Ja, nein oder vielleicht Jein?
Folgende Situation: Es ist Freitagabend, du hattest eine sehr anstrengende Woche. Montagabend Joggen mit deinem Freund, Dienstagabend Wocheneinkauf erledigen und den Rest der Woche warteten Überstunden jeden Abend auf dich. Dein Freund ist heute Abend beim Stammtisch. Nun fragt spontan eine Freundin, ob du noch mit ihr etwas trinken gehen möchtest. Alles in dir sehnt sich nach einem Abend mit einem Buch und oder deiner Lieblingsserie auf der Couch. Allein.
Was antwortest du deiner Freundin, die du schon länger nicht gesehen hast?
- Variante A: Ja klar, ausruhen kann ich mich auch wann anders.
- Variante B: Nein danke, heute nicht.
Wie du dir denken kannst, hätte ich früher zu 100% ohne nachzudenken mit A geantwortet. Einfach um mich nicht erklären zu müssen, um meiner Freundin zu gefallen und um auch irgendwie ein unangenehmes „Nein“ zu vermeiden. Dass Variante B die bessere wäre – denn ganz wichtig, es geht beim Grenzen setzen nie um richtig oder falsch – ist dir bestimmt klar 🙂 Es geht lediglich um einen gesunden Egoismus und somit dein inneres Gleichgewicht.
5 Tipps wie du lernst Grenzen zu setzen
Tipp 1: Lass dir Zeit
- Nimm dir bewusst Bedenkzeit. Bitte auch dein Gegenüber proaktiv darum. So verschaffst du dir selber einen Augenblick oder ein paar Minuten Zeit und gewinnst die Möglichkeit wirklich in dich hineinzuhorchen. Beantworte dir die Frage: Was tut mir jetzt in dieser Situation gut?
Tipp 2: Wäge deine Optionen ab
- Atme tief durch. Und spiel dann mal beide Szenarien durch:
- Du sagst Ja
- Du sagst Nein
- Wie fühlst du dich, wenn du ja sagst? Was löst das in dir aus? Vorfreude und Glück oder fühlst du dich alleine von dem Gedanken dich jetzt fertig zu machen, nach der nächsten U-Bahn zu suchen, etc. schon gestresst? Oder macht es dir mehr Freude heute einen ruhigen Abend auf der Couch zu haben mit dir ganz allein als Date?
Tipp 3: Sei ehrlich zu dir und vertraue deinem Bauchgefühl
- Egal wie lange du deine Freundin schon nicht mehr gesehen hast, egal was sie über dich bei einer Absage denken würde – was willst du wirklich? Spür wirklich in dich hinein und löse dich von den Erwartungen deiner Freundin. Mach dein Bauchgefühl zu deinem besten Ratgeber.
Tipp 4: Gib dir einen Ruck und sei mutig
- Steh zu dir, deinem Bauchgefühl und deinem Bedürfnis nach Ruhe. Steh zu deinem Nein danke. Mach dir bewusst, dass du damit gleichzeitig Dir selber ein ganz klares Ja gibst.
Tipp 5: Sei ehrlich zu dir und deinem Umfeld
- Wenn du zu deiner Entscheidung gekommen bist, steh dazu. Sei ehrlich zu dir und erkläre deiner Freundin, dass du eine anstrengende Woche hattest und heute ein wenig Zeit für dich brauchst. Sie ist schließlich deine Freundin und wird voller Verständnis sein 🙂
Übung macht den Meister bzw. Grenzgänger
Ich muss das Thema Geduld nochmal kurz anschneiden: Sei wirklich geduldig mit dir. Wenn jemand vor dir steht und dich um etwas bittet ist es komplett anders als wenn du eine Einladung zum Abendessen per WhatsApp bekommst.
Daher weihe dein Umfeld gerne ein, lass sie teilhaben an deinem Prozess, dass du gerade versuchst öfters Nein zu sagen, weil du merkst, dass es dir nicht immer gut tut für alle außer dich selber da zu sein.
Das war rückblickend das Beste was ich machen konnte! Mein Partner war eingeweiht und auch wenn er mich nur so alltägliche Banalitäten gefragt hat, ob wir Pizza oder Pasta zu Abend essen wollen, hat er mir immer die Zeit und den Moment des tiefen Durchatmens gelassen, damit ich nicht sofort Pizza wähle (was seine Wahl wäre) sondern Pasta sage. Schließlich möchte er ja auch, dass ich glücklich bin – ansonsten würde er mir gar nicht die Wahl lassen 🙂
Wählst du Pizza oder Pasta?
Und nun zu dir: wählst du Pizza oder Pasta? Lass mich gerne wissen in welchen Situation es dir schwer fällt Grenzen zu setzen, ein „Nein danke“ laut auszusprechen auch wenn es dich Überwindung kostet und warum es dir schwer fällt, dich selber zur Prio 1 zur machen. Schreib mir einfach eine Nachricht oder in den Kommentaren 🙂


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