Finde dein Ding

Von Berufung, Superpower, Geschenk für die Welt und Seelenaufgabe

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich so sehr nach meinem „Ding“ gesehnt habe. Mit „Ding“ meinte ich, wie ich heute weiß, meine Berufung, meine ganz eigene Superpower, mein Geschenk für die Welt, meine Seelenaufgabe. Es gibt sehr viele Ausdrücke, die das beschreiben, was nur du ganz besonders gut kannst und womit du die Welt bereicherst und was dich einzigartig macht.

Ich meine daher „Ding“ auch sehr liebevoll, es nimmt mir vor allem die Angst vor der Mächtigkeit von Worten wie Berufung oder Seelenaufgabe. Denn ich muss dabei immer direkt an große Persönlichkeiten wie den Dalai Lama, Mutter Theresa oder Martin Luther King denken und tendiere dazu, davon direkt sehr eingeschüchtert zu sein.

Sehnsucht nach „Ding“

Ich habe eine gewisse Leere in meinem Leben gespürt. Ich fühlte eine Unzufriedenheit, die von Tag zu Tag wuchs, die ich aber nie genau angesehen habe und immer weggedrückt habe. Nach den von unserer Gesellschaft recht bequem vorgegeben Lebensabschnitten und Strukturen wie Kindheit, Schule, Studium und den ersten Schritten im Berufsleben, habe ich die Orientierung verloren. Ich dachte jetzt wären dann die nächsten Lebensschritte zu heiraten, Häusle bauen und eine Familie zu gründen. So wie es all die Generationen vor uns ja auch gemacht haben. Das macht man doch so. Oder? Die passende Partnerschaft hatte ich schließlich dazu. Allerdings wälzte ich die Verantwortung für meine Unzufriedenheit auf diese Partnerschaft ab.

Das heißt, ich habe diese Sehnsucht nach meinem „Ding“ bzw. die Unzufriedenheit damit versucht zu beendet, indem ich all diese Dinge (Hochzeit, Haus, Hund und Kind) von meinem Freund eingefordert habe, weil ich damals dachte, diese Dinge wären mein Ding – und dann würde es mir besser gehen. Und mit „Ding“ meine ich in dem Fall, mein persönliches Glück. Ohne jedoch wirklich darüber nachzudenken, ob ICH das alles wirklich WILL. Ob MICH das wirklich GLÜCKLICH macht. Will ich wirklich Ehefrau, Hauseigentümerin, Hundebesitzerin und Mutter sein? Ist das meine Berufung?

„Nur du, du allein kannst deine Situation ändern. Gib niemandem außer dir diese Verantwortung.“

– Leonardo DiCaprio

Selbstverantwortung = Sich selbst verantworten

Für unsere Beziehung war das keine leichte Zeit, mein Freund ist Gott sei dank nicht hilfeschreiend geflüchtet, sondern hat mir die Zeit gegeben, die ich brauchte, um zu mir zu finden, den Kern meiner Unzufriedenheit zu erkunden, zu verstehen – und vor allem meiner inneren Stimme zuzuhören. (Und hat er mir damit wiederum bewiesen, warum er die Liebe meines Lebens ist) Es war also an der Zeit, nach Schule, Uni, Job auch einfach mal die Verantwortung für mich selbst zu übernehmen.

Mir selbst Antworten zu geben. Das verstehe ich unter Selbst-Ver-Antwortung. Zu aller erst mir selber die richtigen Fragen zu stellen und dann Antworten zu finden. Das habe ich offen gesagt mein Lebtag bis dato nie gemacht. Es hat sich so viel leichter angefühlt vorgeebnete Wege zu gehen, mitzuschwimmen und das zu tun was alle anderen auch machen.

Step by Step: Deinen eigenen Weg gehen

Die folgenden vier Schritte haben mir unheimlich dabei geholfen, den Blick nach Innen zu richten, meine Superpower kennenzulernen und vertrauen in meinem eigenen Wert (und Weg) aufzubauen.

Schritt 1: Richte den Blick nach Innen

So simpel es klingen mag, das ist gar nicht so einfach. Vor allem wenn man ein Meister des Verdrängens ist (I tell you!). Lass deine Gefühle mal einfach Gefühle sein – dafür sind sie schließlich da. Fühle sie, auch wenn es nicht einfach ist. Erkenne, dass Gefühle nicht sehr beständig sind, also lass sie kommen und auch wieder gehen. Weine dich richtig aus, lache laut bis du nicht mehr kannst, fühle die Dunkelheit von Traurigkeit und hab viel Freude und Spaß!

  • Relfection is the key: Mach es dir gemütlich und versuche all die Gefühle, die in dir vorgehen zu fühlen. Bewerte sie nicht, fühle sie einfach und lass sie zu. Das ist in Ordnung. Notiere einen Tag lang einfach mal alle Gefühle, die du so fühlst. Erkenne ihre Vielseitigkeit.

Schritt 2: Schreibe deine Gedanken auf

Als Profi-Zerdenkerin und absoluter Kopfmensch weiß ich ganz genau, dass ab einem bestimmten Punkt, sich die Gedanken im Kopf nur im Kreis drehen. Also schreib sie auf, damit lässt du sie aus deinem Inneren erst einmal los lässt und etwas Platz für Klarheit schaffst.

  • Write it down: Feel free und schreib einfach alles runter. Achte nicht auf Schönheit, Rechtschreibung, bring deine Gedanken einfach nur zu Papier. Schaffe ein Stück Freiraum indem du deine Gedanken auf Papier bringst.

Schritt 3: Erkenne deine Stärken

Mach dir bewusst, dass du ziemlich einzigartig bist. Switch die Perspektive und führe dir vor Augen, was deine Familie, deine Freunde, dein Partner, deine Arbeitskollegen besonders an dir schätzen. Jeder hat eine ganz besondere Superpower!

  • You are strong: Was fällt dir besonders leicht? Wobei vergisst du die Zeit? Was liebst du zu tun? Was bringt dich in den Flow? Das alles macht dich einzigartig!

Schritt 4: Das ist dein Ding!

Wenn du richtig hereinfühlst, dir aufschreibst oder eine Mindmap erstellst, was dein Herz höher schlagen lässt, dann kannst du daraus ableiten, was deine Aufgabe in diesem Leben ist. Was dich auszeichnet, was andere in dir sehen und was auch du in dir sehen und schätzen lernen solltest.

  • Do your thing: Überlege dir, was dir besonders viel Freude macht, was macht dir Spaß? Integriere das mehr und mehr in deinem Leben und er-lebe dein Ding 🙂

Angst ist etwas Gutes

Und nun kann es sein, dass da ziemlich viel in dir los ist. Du spürst zwar, dass du langsam eine Antwort findest, was dein Ding, deine Seelenaufgabe, dein Geschenk für die Welt, deine Essenz, wie auch immer du dein Ding auch nennen magst, sein könnte – allerdings wird jetzt diese Stimme in deinem Kopf lauter und sagt „Warte mal, das kannst du doch nicht machen! Was sollen die anderen von dir denken?“. Diese Stimme heißt Angst. Sie wittert, dass eine gewisse Veränderung in dir vonstatten geht und bad news: Angst hasst Veränderungen. Das ist okay.

Und wenn die Angst sogar ein Kleid anhat, sich besonders herausputzt, dann verkleidet sie sich als Perfektion. Das Streben nach Perfektion verhindert nämlich neben der Angst zu Scheitern, dass wir einfach anfangen. Denn wir wollen erst 100% alles fertig haben, bevor wir bereit sind unser Licht in die Welt zu tragen. Dabei ist Perfektion eine Illusion. Nichts ist perfekt! Und das ist auch gut so!

Done is better than perfect!

– Sheryl Sandberg

Denn immer wenn sich Angst zu Wort meldet, bewerte es als positives Signal: „Hey, da ist etwas, was mir sehr wichtig ist und mir am Herzen liegt!“. Und die Angst spielt natürlich sämtliche Szenarien durch, weshalb du scheitern könntest, was die anderen Leute denken, usw. Atme tief durch und schieb die Angst dann beiseite. Sie ist gut, sie signalisiert dir, dass du genau auf dem richtigen Weg bist 🙂

What’s your thing?

Während dieser Suche, was meine Superpower ist, ohne dass ich es zu dem Zeitpunkt schon so konkret beim Namen nennen konnte, ist übrigens dieser Blog, mein „Projekt Planlos“ entstanden. Denn ganz zu Beginn, hatte ich wirklich keinen Plan und bin einfach meinem ersten Impuls gefolgt: Dass ich sehr sehr sehr viel über Dinge nachdenke (Kopfmensch 😀 ) und gerne schreibe. Also dachte ich mir, schreibe ich all diese Dinge einfach auf und schau, wohin mich die Reise führt. Ohne wirklich das Ziel der Reise zu kennen.

Und jetzt zu dir: Was ist dein Ding? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen oder schreib mir eine Nachricht! 🙂

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