Perfektionismus als Killer der Authentizität

Mit der 80-20 Regel zu mehr Glück

Passiert es dir auch häufig, dass du dich in Details verlierst, dass du Aufgaben nicht abschließen kannst, weil sie in deinen Augen noch nicht gut genug sind, dass du Angst vor Ablehnung hast, weil etwas nicht gut genug ist? Mir geht es genauso. Ich bin auf jeden Fall chronische Perfektionistin. Woher das kommt, was Perfektionismus eigentlich ist und wie man mit einem 80% viel näher an 100% Glück herankommt, erfährst du in dem Beitrag.

Schutzmechanismus Perfektionismus

Häufig basiert Perfektionismus auf dem Glaubenssatz, dass nur etwas Perfektes mit Anerkennung, Wertschätzung und Liebe belohnt wird. Und hinter diesem Glaubenssatz steckt gleichzeitig noch so viel mehr: Dahinter steckt nämlich die Angst und Scham davor, unperfekt zu sein. Das heißt, das Streben nach Perfektionismus wird von vielen Personen als Schutzschild vor sich hergetragen, um bloß nicht angreifbar zu sein, um bloß nicht anzuecken, sich bloß nicht verletzlich zu zeigen oder anders gesagt: Um bloß nicht so gesehen zu werden, wie wir wirklich sind. Mit allen Ecken und Kanten. Vollkommen authentisch.

Woher resultiert also dieser weitverbreitete Glaubenssatz, dass wir so wie wir sind, nicht gut (genug) sind? Am naheliegendsten ist wohl unsere Umwelt, denn so viele Bereiche in unserer heutigen Welt basieren auf einem augenscheinlich perfekten System:

  • Rechtsstaat: Entweder werden Gesetze eingehalten oder nicht
  • Mathematik: Entweder ist das Ergebnis korrekt oder nicht
  • Programmierung: Entweder 0 oder 1
  • Rezepte: Entweder 100g oder 50g
  • Elektrizität: Entweder an oder aus
  • Internet: Online oder offline
  • … und so viel mehr!

Perfekt: Ein unerreichbares Ziel?

Jetzt aber mal ganz ehrlich: Wer sagt denn eigentlich, dass alles so perfekt sein muss? Und was ist überhaupt perfekt? Vor allem dass WIR perfekt sein müssen? Sind es nicht gerade die unvollkommenen Momente und Erfahrungen, die uns ausmachen? Die unsere Persönlichkeit bilden, uns wachsen lassen, uns zum Leuchten bringen? Meistens ist es also lediglich die Stimme in unserem Kopf, die uns zu Perfektion antreibt. Dass wir dabei unsere Persönlichkeit, unsere Authentizität, unsere Identität ein Stück weit aufs Spiel setzten, das sagt die innere Kritikerin leider nicht. Das steht irgendwo in den AGB’s auf Seite 15.345.

„Die wertvollsten und wichtigsten Dinge in meinem Leben widerfuhren mir, als ich den Mut entwickelte, verletzlich, unvollkommen und mitfühlend mit mir selbst zu sein.“

– Brené Brown, Verletzlichkeit macht stark

Sich zu verbiegen, um vermeintlichen Schmerz (wie fehlende Anerkennung oder gar Ablehnung) zu vermeiden, führt viel mehr dazu, dass viel zu hoch gesetzte Ziele nie erreicht werden können. Dass der Weg gar nicht erst gegangen wird, weil man sich eh nie bereit fühlen wird und du so im worst case Depressionen und selbstzerstörerisches Verhalten entwickelst. Dabei gilt es doch einfach, zu sich selber ehrlich zu sein und realistisch zu sich selber zu sein. Wer sagt denn schon, was perfekt ist? Und übrigens: Es gibt kein Gefühl, was „bereit sein“ ist. Dieser Zustand tritt niemals ein.

Was wäre wenn…

  • Du für 20 Minuten spazieren gehst – anstatt dich über den nicht gelaufenen Halbmarathon ärgerst
  • Du 3 Seiten eines Buchs liest – anstatt dich über die ungelesenen Bücher in deinem Regal zu ärgern
  • Du eine Waschmaschine anstellst – anstatt dich über die 2 anderen vollen Wäschekörbe zu ärgern

…würde sich das nicht gut anfühlen?

Indem du dich kritisch fragst, ob du dich gerade verbiegst um ein augenscheinlich perfektes Ergebnis zu erzielen, gönne dir einen kurzen Augenblick des Selbstmitgefühls. Schau dir an, worauf es wirklich ankommt und feiere dich für all die Dinge und Projekte, DIE du anpackst und abschließt! Führe dir vor Augen, dass dein Selbstwert nicht davon abhängt, was du tust oder wie du etwas tust. Gib dir die Erlaubnis, dass auch 80% gut genug sind!

„Es entspricht unserem Wesen, unvollkommen zu sein.“

– Nicholas Wilton

Letztendlich geht es doch darum, ein Leben voller Abenteuer zu leben, voller Unvollkommenheit und Unperfektem, woraus wir lernen und wachsen können. Worüber wir Lachen können, indem wir unser Intuition folgen, unserem Gefühl. Unvergessene Erfahrungen und Erinnerungen kreieren. Denn wenn wir so sind wie wir sind und uns auch so der Welt zeigen, dann ist das doch der wahre Grund, warum wir geliebt werden. 🙂

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